Wer hat noch Angst vor den Kannibalen?

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Quelle: Wikipedia: Die Menschenfresserin von Leonhard Kern – photographed by Andreas Praefcke.

Der Kannibale von Rotenburg hat im Jahr 2002 Schlagzeilen gemacht, weil er einen Freund getötet und teilweise verstümmelt haben soll. Er fand wohl auch einige Nachahmer. Bei einigen Naturvölkern soll es Kannibalismus bis heute geben. Kolumbus soll auf seinen Reisen auf Völker gestossen sein, die Angst vor Menschenfressern gehabt haben sollen. Die sogenannten Kariben (siehe Wikipedia – Artikel zu Kannibalismus hier) Danach wird der Begriff des Kannibalen erstmals 1508 erwähnt.

Das ist alles lange her und eigentlich könnte man die Angst vor dem Kannibalismus abhaken und den Geschichtsbüchern überlassen, wenn diese Angst nicht auf einem ganz anderen Gebiet wieder massiv auftreten würde – nämlich bei der Entwicklung von Marken Strategien.

Ein Beispiel, das ich wohl nennen darf, ohne gleich abgemahnt zu werden: Ein grosser deutscher Pharmakonzern hatte Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts als erstes Unternehmen den Wirstoff Ibuprofen (Schmerzmittel) als OTC (freiverkäufliches Arzneimittel) zugelassen bekommen. Gleichzeitig verfügte dieses Unternehmen über den Klassiker der Schmerzmittel (fängt mit “A” an). Und jetzt schlägt die Angst vor Kannibalismus gnadenlos zu:

Zugunsten der bereits existierenden grossen Marke, wurde das neue Produkt mehr versteckt als vermarktet.

Und das so lange, bis es zu spät war – bis ein Wettbewerber mit einer Ibuprofen basierten Marke genau diese Lücke besetzt hat – heute ist diese Marke etabliert und hat in vielen Bereichen der einst so grossen (und heute nicht mehr ganz so grossen Marke mit A) den Rang abgelaufen.

Was kann man aus dieser Geschichte lernen? Aus meiner Sicht 5 wesentliche Dinge:

  1. Es ist besser Kannibalismus innerhalb des eigenen Sortiments zu akzeptieren, als das Feld einem Wettbewerber zu überlassen.
  2. Innovation (und nichts anderes ist der neue rezeptfreie Wirkstoff damals gewesen) führt dazu, dass ältere Produkte leiden – deshalb auf Innovation zu verzichten ist ein fataler Weg.
  3. Selbst wenn etablierte Produkte unangreifbar erscheinen (aus der Innensicht) und hoch profitabel sind, sollte ein zunächst weniger profitables aber innovatives Produkt vermarktet werden. Immer noch besser als wenn das der Wettbewerb tut.
  4. Auch wenn die Angst vor Kannibalismus uns wie in grauer Vorzeit irrational handeln lässt: Es lohnt sich, 2mal über die Chancen nachzudenken, als intuitiv einer Vermeidungsstrategie zu folgen.
  5. Es lohnt sich im Sortiment der Wettbewerber nach “schlafenden Schönheiten” zu suchen. Es kann nämlich sein, dass die nur mit der richtigen Strategie und ohne falsche Angst vor Kannibalismus zum Leben erweckt werden müssen.

 

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